Aus der Geschichte von Groß Escherde

Der oder das Thie, Tie, Thieplatz – bei uns: der Thie – ist als ein zentraler Platz mitten in alten Ortskernen zu finden. Manchmal erhebt sich das Gelände als kleiner Hügel, manchmal ist noch eine Einfassung von Steinen, Mauern oder Bäumen erkennbar. Oft findet sich noch ein alter Baumbestand um den Mittelpunkt des Platzes, der sich im Zuge der Dorfentwicklung als wichtiger Ort der Kommunikation bildete. Je nach Landschaft findet man deshalb machmal noch “Thielinden” oder Eichen auf dem Platz oder dem Thieberg. Auch gibt es teilweise noch Findlinge oder andere Steine, manchmal auch in Form einer großen Tischplatte, die diesen Platz als Versammlungsort kennzeichnen.

Zur Etymologie: [Q: wikipedia]  Der Begriff Thie ist vermutlich verwandt mit dem altenglischen Wort tig oder tih und dem altnordischen teigr, was beides einen Hof, Platz oder ein Stück Land bezeichnete.


Dazu ist in der Chronik von Groß Escherde Folgendes zu finden:

Heimatgeschichtliches Lesebuch Teil 2, Band A – von Erich und Karin Reckel, 1995 – reformierte Rechtschreibung bei Digitalisierung 2017-

Der Thie als Ort der Dorfgerichtsversammlung

Während früher angenommen wurde, dass der Name Thie vom germanischen “Thing” als alte Bezeichnung für “Gerichtsversammlung” abzuleiten sei, gilt heute das althochdeutsche “zihan” (= von jemandem etwas aussagen, jemanden einer Sache bezichtigen, ihm in etwas Schuld geben, auch mittelhochdeutsch “zihen” = aussagen, zeihen, beschuldigen) als Stamm für die Bezeichnung Thie. Da die Gerichtsversammlung in den Dörfern früher allgemein “Bursprake” oder “Burköre” genannt wurde, gilt die Ableitung von “Thing” als abwegig. So wurde dann das Wort Thie ( Anklage, Aussage, Verkündigung) auf den Platz, auf dem die Dorfversammlungen stattfanden, übertragen.

Bereits im 13. Jahrhundert hieß es im Soester Stadtrecht: “Iniuste mensurationes et mensure corrigende pertinent de annona et de ceruissa indicibus illis qui dicuntur burrihtere in uiculis illis qui dicuntur ty…” ( Ungerechte und zu verbessernde Maße für Getreide und Bier gehören vor das Gericht des Burrichters an jene Orte, die man Thie nennt…).   *

Bei einer Landübertragung in Gronau 1399 schrieb man: “uppe dem tyge vor Gronowe”, und 1589 ließ der Amtmann des Amtes Lauenstein die Einwohner von Eime anlässlich der Huldigung für den neuen Herzog Heinrich Julius von Braunschweig- Lüneburg durch einen glockenschlag… auf den Tye” berufen.

Neben der Bedeutung des Thies als Dorfgerichts- und Versammlungsstätte war er früher auch allgemein ein beliebter Platz, um Dorffeste abzuhalten. So findet sich in einem Lehnsverzeichnis für Bicklinge bei Quedlinburg die Bezeichnung “tripudiale quod dicitur Ty in Byckinge” (Tanzplatz, welcher in Bickinge Thie genannt wurde). Auch als Ortsbezeichung findet sich die Bezeichnung Thie oft in den Akten wieder, wie z.B. ab 1600 in den Abgabenverzeichnissen von Groß Escherde: “Hanß Hane beym Thie”.

*HSTA Hann., Hild. Br.1; Nr 431


Auch in Groß Escherde soll es nach langer Zeit wieder ein Dorffest auf dem Thie geben. Der Heimatverein “Zum Escherberg” feiert dort am 26. August sein 25-jähriges Bestehen.

Escherder Lied

Escherder Lied – Verfasser unbekannt

1) In Groten Escher vor langer Teut – videra-la-la   – da was heuer bannig wat los mit de Luit – videra-lala

2) Deut ganze Bande upen Theu – dei harren alle de Scheuterei

3) Schorse Stockleben iuse Bäkermäster – de hät ne Böchse iut Samtenmanchester

4) Wilhelm Wöhlert mit seune langen Braken – de kann öber ganz Greoten Escher raken

5) Schnartchen mit seune Schausterlappen- de will de Seubertschen den Aas verklappen

6) Erich Tölke harre ok en Bullen – de kun von Escherde na Sossen strullen

7) Da was ok noch de Schnellesche- de bedeunet dat Kerkenschelletsche

8) August Knösel uise Kröger – dat was in Dörpe dai Dostversorger

9) Heinrich Lippmann mit de langen Peupen – de woll Heintschen Kese in de Stiebel scheuten

10) Heinrich Blaumberg iuse Börgermester – de knöppe seck boin luigen den Gürtel fester

Refrain: Oh wat Sand, oh wat Sand, bringet de Eschersche in dat Land

Twischen Hilmessen un Ganderssen: “De Pöivugel röppt” von Werner Sührig

De Pöivugel röppt

Wildkroineken kumet iut Middag terügge,

Töitloiseken blaumet in Gaarn.

Pogge un Rapphaun, Bottervugel un Mügge,

sind alle ter Hochtöit elaen.

De Pöivugel röppt söin “Kiwitt” über ‘t Land.

De Gante sitt upp de Geos.

En Sunnenkalw flüggt meck upp möine Hand.

Ett Froihjahr kümmt! Dat is fameos!

Niun werd efröiet twüschen Risch un Rieke,

in Holte, an Oiwer, upp ‘n Beom, in `r Bieke.

Man jümmertau! Dat Liewen is sau!

Das Wappen von Groß Escherde

Das Wappen von Groß Escherde
Das Wappen von Groß Escherde

Die Wappen der Dörfer Groß, Klein und Haus Escherde sind gleich. Sie unterscheiden sich lediglich in umgekehrter Farbwahl sowie zusätzlich einem dreiblättrigem Kleeblatt im Ortswappen von Haus Escherde. Zwei große Schlüssel stehen aufrecht nebeneinander, die Bärte nach außen, die Griffe nach unten gerichtet. Groß Escherde hat goldene Schlüssel auf rotem Schild, die beiden anderen Ortswappen zeigen rote Schlüssel im goldenen Schild.

 

Link zum Kulturatlas

Im Kulturatlas wird viel Wissenswertes über die einzelnen Orte im Landkreis Hildesheim zusammengetragen – Geschichten, Fakten, Bilder, Informationen. Dazu gibt es die Verortung auf der interaktiven Karte. Das ist eine langwierige Aufgabe und wird noch etwas dauern, bis alle Orte erfasst sind. Der Eintrag zur Ortschaft Groß Escherde findet sich unter Nummer 13 oder durch einen Klick auf den link:

http://www.kulturium.de/?NavID=2364.9&loc=&object=7|2364.1582.1